Bauernhochzeiten früher und heute

Da im Tale nach der Wintersaison ein bisschen Ruhe einkehrt und das Frühjahr seine herrliche Blumenpracht zeigt, wird auch bei uns schön langsam die Hochzeitsaison eingeläutet. Etliche uralte, wunderschöne oder auch erheiternde Bräuche haben sich über all die Zeit bei uns gehalten oder nur ein wenig verändert.

Winterlicher Hochzeitszug auf Pferdeschlitten 1945/46

So war früher das Heiraten schon eine sehr große Sache, war es doch wohl oft nur die einzige Möglichkeit von Junggesellen, sich eine künftige Braut anzulachen und in Gesellschaft zu feiern.

Geheiratet wurde früher im Winter, man ahnte ja noch nicht, dass dies einige Jahrzehnte später Hauptsaison sein werde. Meist war es ein Montag, damit die Woche ja nicht „zrissn“ wurde und am Sonntag das „Brautaußitanzen“ mit Musik und Tanz stattfinden konnte. Heutzutage findet am Vorabend der Hochzeit meist das berührende „Brautliedsingen“ statt, bei dem Bekannte und Verwandte der Braut ihr das bekannte Brautlied vorsingen.

Zwei Wochen vor dem großen Fest ging dann früher der Brautführer mit dem Brautpaar durch das gesamte Tal von Hof zu Hof und von Haus zu Haus um die Bauern und die Gsind-Leut zur Hochzeit zu bitten. Es war Brauch, wenn man die Hochzeitlader rechtzeitig bemerkte, sich vor ihnen zu verstecken. Dies hat sich Gott sein Dank jetzt doch ein bisschen geändert, und das Brautpaar lädt zwar heute noch immer persönlich ein, nutzt aber doch meist ein Auto dazu und suchen muss man dann die künftigen Gäste auch nicht mehr.

Für Recht und Ordnung sorgt gegenwärtig bei einer Bauernhochzeit der „Hochzeitslader“, er ist auch für die Braut verantwortlich.

Früher sorgte dafür auch der Brautführer. Mit Kutschen ging es dann in geordneter Folge auf dem Weg zum Bräutigam, allen voran der Schalknarr, der dafür zuständig war, etwaige possenhaft aufgebaute Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Vorpranger sind heute wie früher obligat bei den großen Hochzeiten in Großarl. Dies sind junge, ledige Burschen und Mädchen, aus der nahen Verwandtschaft des Hochzeitspaares, die alle geladenen Gäste mit einem Blumensträußerl schmücken und den Tanz eröffnen.

Die Hochzeitsfeier in einem Gasthaus nach der Messe beginnt seit jeher mit dem Hochzeitsmahl.

Weil es den meisten Hochzeitspaaren vor einigen Jahrzehnten noch gar zu schwerfiel, das Essen zu bezahlen, war es gebräuchlich, dass jeder Gast höflichst ersucht wurde, ein Mahlgeld abzugeben.

So kam es auch einmal, das eine Brautmutter sehr enttäuscht war von dem Festessen. Sie erzählte „De Hochzeit war ja recht schön, aber des Mahl war mir schon nix zrar. Alle haben nur einen Krapfen kriagt. Da schau her, kennst es du?“ Während sie dies erzählte, zog sie ein großes Wiener Schnitzel aus dem Kittelsack. Auch unsere Großeltern erzählen noch heute, wie sie sich als Kinder gefreut haben, als der Vater von einer Hochzeitsfeier ein Stück Torte für sie mit nach Hause genommen hat.

Damit auch die Heiterkeit nicht zu kurz kam, gab es dazu Mals das Brauttanzsingen. Ungeschicklichkeiten oder Schaden von jemanden im Tale wurden hier in lustige Gstanzl verpackt. Jetzt gibt es noch das bekannte Brautbrieflesen. Einzelne schelmische Strophen über das Brautpaar werden hier vorgelesen. Zwischen jeder Strophe muss das Brautpaar ein paar Runden auf der Tanzfläche drehen.

 

Ist es dann Zeit, das Brautpaar von der Hochzeitsfeier zu verabschieden, wird in Großarl schon seit langer Zeit das wunderschöne und in ganz Österreich bekannte Brautlied gesungen. Früher hieß dies oft, dass die Braut von da an ein ganz neues Leben, auf einem oft vom Heimathaus weit entfernten Hof begann. Wie das neue Leben aussah und was sie erwartete, war für viele, oft noch jungen Bräuten, sehr ungewiss. Darum wird dieses Lied heute wie früher von vielen Tränen und besten Beglückwünschungen für das frisch vermählte Paar begleitet und ist somit der krönende und oft auch sehr rührende Ende einer traditionellen Hochzeit in Großarl.

Den Liedtext gibt´s hier noch zum Lesen und wahrscheinlich für einige, um in schöne Erinnerungen zu schwelgen…

 

Die Sonne neiget sich,

sie geht zur Ruh,

sie wirft den letzten Blick dir freundlich zu.

Es ist zum letzten Mal,

dass dir der Sonnenstrahl,

in deinem Kämmerlein als Braut dir scheint.

 

 

Die Sterne ohne Zahl,

in ihrer Pracht,

sie wünschen tausendmal,

dir gute Nacht.

Hast du geprüft dein Herz,

treibst du damit nicht Scherz,

es ist die letzte Nacht,

junge Braut gib acht.

 

 

Blick auf zum lieben Gott,

und fasse Mut,

er hilft in Angst und Not,

er ist so gut.

Er wünscht dir als Himmelsbraut,

nur wahres Glück,

ja Glück,

der tief ins Herz dir schaut,

sein milder Blick.

 

 

Quellen:

Heimat Großarl; Hrsg. Kulturvereinigung „Die Erle“ und Salzburger Bildungswerk, Zweigstelle Großarl

https://www.volksmusik.cc/lieder/diesonneneigetsich.htm