Das Weihnachtsfest im Großarltal

Advent

Die Großarler Krippe bei der Pfarrkirche


Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird,
Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin – bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke

 

Wie feiern eigentlich die GroßarlerInnen die eine Nacht der Herrlichkeit – den Heiligabend?

Überall auf der Welt wird Weihnachten mit anderen Bräuchen und Ritualen gefeiert. Aber wie feiern eigentlich die Großarler Familien das Fest um Christi Geburt?

Bei uns in Großarl ist es Tradition, dass am Nachmittag, wenn es langsam dunkel wird, sich die ganze Familie zur sogenannten Rauchjause zusammenfindet. Ganz traditionell gibt es dann ein selbstgemachtes Kletzenbrot, eine Bauernbutter und Sauerkas. Der Sauerkas ist eine typische Großarler Spezialität und wird aus Magermilch hergestellt. In den meisten Familien kommen noch andere bäuerliche Spezialitäten auf den Tisch, wie zB Speck und Hirschschinken. Zum Abschluss darf ein Großarler Schnapserl nicht fehlen.

Nach der Jause wird die „Rakpfonn“ (Rauchpfanne) hergerichtet und die ganze Familie geht durch sämtliche Räumlichkeiten des Hauses und auch den Stall, um alles zu räuchern (von alten Lasten zu befreien und Schutz für das Zukünftige zu erbitten). Ein Mitglied der Familie betet den Rosenkranz vor, meistens der Vater, der auch die Rauchpfanne trägt und ein Kind geht mit dem „Weichbrunn“ (Weihwasser) und besprengt mit einem Tannenzweig die Räumlichkeiten und weiht damit Haus und Hof.

 

Was beinhaltet eine traditionelle Rauchpfanne:

Es wird in der Pfanne eine Glut aus dem Ofen hergerichtet, darauf kommen Weihrauch, Palmkätzchen vom Palmbuschen (der am Palmsonntag geweiht wurde), geweihte Frauenbuschen (15. August – Mariä Himmelfahrt) und andere geweihte Kräuter. Weitere bedeutende Rauhnächte sind die Nacht auf den 21. Dezember (längste Nacht des Jahres – Wintersonnenwende), die Silvesternacht und die Nacht auf den 06. Januar.

 

Und wie geht es nun mit unserem Heiligabend in Großarl weiter? Nach dem Segnen von Haus und Hof, trifft sich die gesamte Familie wieder im Haus und wartet auf die Bescherung. Sobald das Christkind bereit ist, wird die Stube geöffnet und es sind vor allem die Kinder, die aufgeregt als erstes hineinstürmen, um zu sehen, was unter dem Baum liegt.

Doch halt, nochmals heißt es ein bisschen Geduld. Vor dem Geschenke öffnen wird noch zumindest das weltbekannte Weihnachtlied „Stille Nacht – heilige Nacht“ angestimmt, das übrigens aus dem Salzburger Land stammt. Aber dann gibt es kein Halten mehr und es geht ans Geschenke auspacken. Die Augen der Kinder leuchten und der ganze Raum ist mit Fröhlichkeit erfüllt.

Am späteren Abend gibt es noch die traditionelle Mettensuppe, eine Rindsuppe mit Nudeln, zu der ungebrühte Mettenwürstel gegessen werden. Anschließend kommt noch ein Teller mit selbstgebackenen Weihnachtskeksen  auf den Tisch! In unserer Familie ist es außerdem noch Brauch, dass am Heiligabend der selbstgemachte Rumtopf von Oma als Nachspeise gereicht wird, dazu gibt es Vanilleeis. Wer möchte, macht sich um kurz vor Mitternacht noch auf, um zur feierlichen Christmette in der Pfarrkirche Großarl zu gehen.