Die Blumen-Kategorisierung

„Sind die Gartenschirme aufgespannt?“ rufe ich meinem Mann zu. In der Zwischenzeit breite ich eine andere Tischdecke, die besser zu den Vorhängen passt, aus. Ein letzter Blick, ob die Fenster auch geputzt sind und die Prospekte alle richtig stehen!

Was heute los ist? Das Kategorisierungsteam von „Urlaub am Bauernhof“ ist angemeldet. Alle 4 Jahre sind die Mitgliedsbetriebe von „Urlaub am Bauernhof“ verpflichtet, den Betrieb überprüfen zu lassen und als Belohnung erhält man 2, 3 oder 4 Blumen. Und seit 2017 gibt es auch noch eine 5. Blume.

Aber wofür eigentlich eine Kategorisierung?

Der Urlaubsgast möchte nicht mehr die „Katze im Sack“ kaufen, und neben den Online-Bewertungen ist die Klassifizierung sehr vielen Gästen wichtig für die Urlaubsentscheidung.

Schon seit über 20 Jahren gibt es diese Überprüfung bei Urlaub am Bauernhof und jeder Mitgliedsbetrieb schaut meist mit flauen Magen dieser Kontrolle entgegen. Denn was vor 10 oder 20 Jahren noch gut und ausreichend war braucht heute eine Überarbeitung und Auffrischung.

Das heißt natürlich nicht, dass wir alle 15 Jahre alles neu machen müssen, so wie es in der Hotelerie bereits gang und gebe ist.

Für uns heißt das, laufend den für uns möglichen Qualitätsstandart zu halten, eventuell beschädigte Sachen auszutauschen und auch immer mal wieder mit Neuem zu ergänzen.

Aber wie läuft so ein Kategorisierungstermin ab – bei uns am Haarlehenhof war es am 24. Mai dieses Jahres soweit.

Um ca. 8.30 h läutet es an der Tür und drei Damen stehen lächelnd davor. Schon beim Aufmachen der Tür höre ich eine der Damen „oje“ sagen und mir wird ganz lau im Magen. Was haben sie schon beim Hergehen negatives gesehen! Mein Gesichtsausdruck dürfte Bände gesprochen haben, denn sie deuten nur lachend auf mein Hochbeet im Garten, wo gerade Leni, eine unserer Katzen, ihr morgentliches Geschäft macht. Laut schreiend vertreibe ich sie aus dem Garten und stimme in das Lachen mit ein. Damit ist meine Nervosität auch vertrieben und wir stellen uns gegenseitig vor. Die Kommission besteht aus zwei Damen vom Kontrollorgan von LKV-Austria und sie werden begleitet von einer Dame vom Tourismusbüro St. Johann/Pg.

Wir beginnen den Rundgang im Haus und bleiben gleich mal im Flur stehen, wo ich meine Prospekte und Gästeinformation angebracht habe. Ich informiere die Kommission auch über die Kooperationen, die wir unseren Gästen anbieten können. Das sind einerseits Betriebe, die wir unseren Gästen empfehlen um selbstgemachte Produkte zu kaufen, andererseits können wir unseren Gästen Partnergasthöfe und -hotels empfehlen, wo sie vergünstige Menüs erhalten. Dies alles gehört zum 1. Prüfungspunkt, der Service-Qualität.

Dann geht es weiter zu unseren Appartements und Zimmern um die Ausstattungs-Qualität zu überprüfen. Dabei sehen sich die Damen ganz genau das Inventar der Küchen, den Standard der Bäder, Bettwäsche, Vorhänge und den allgemeinen Zustand der Einrichtung an.

Wir brauchen uns davor aber nicht zu fürchten, wir haben alles sehr gut in Schuss. Älteres Geschirr und Töpfe werden laufend ausgewechselt und damit die Wohnungen und Zimmer einladend aussehen, habe ich erst im vergangenen Herbst einen Housekeeping-Kurs absolviert. Meist schweigend durchstreifen wir den gesamten Gästebereich im Haus, manchmal werden Fragen gestellt und die Damen machen sich eifrig Notizen.

Dann machen wir eine Runde um den Hof um die Bauernhof-Qualität zu begutachten. Hier zeige ich den Damen die vielen verschiedenen Spielmöglichkeiten wie Gokarts, Tischtennis, der Spielplatz mit Trampolin, Sandkasten, Schaukel und unsere Kinderspielhütte. Weiter geht’s zum Ziegengehege, vorbei am Grillplatz zu den Hasen- und Meerschweinchenställen und der Stall mit den Rindern und Ponys muss natürlich auch inspiziert werden. Noch ein Blick in unseren großen Garten mit Kräuterspirale – fertig ist der Rundgang.

Zum Abschluss gehen wir in unseren Frühstücksraum, dort werden noch unsere schriftlichen Unterlagen (Angebots- und Reservierungsschreiben, sowie die Bestätigungen der besuchten Weiterbildungskurse der letzten Jahre) begutachtet.

Jetzt ist mein Part erledigt und die Kommission widmet sich ihrer Schreibarbeit. Das bedeutet, sie füllen den Kriterienkatalog aus, es werden noch Zimmermappe und die Chronik durchgesehen. Unsere Homepage wurde schon im Vorfeld angeschaut.

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Nach einer kurzen Beratung wird uns das Ergebnis gleich mitgeteilt und wir können uns wieder über 4 Blumen freuen.

Die ganze Vorbereitung auf die Kategorisierung hat sich also wieder ausgezahlt. Den Kriterienkatalog konnten wir schon vor unserem Termin einsehen und waren somit gut vorbereitet. Ein Tipp noch von mir für die Bauernhöfe, denen die Kategorisierung noch bevorsteht: nutzt das Angebot von der Bezirksbauernkammer, wo eine kostenlose Beratung angeboten wird, wie man sich gut vorbereiten kann und auf was man noch speziell achten soll.

Ich bin zwar froh, dass die Bewertung jetzt vorüber ist, stehe dem ganzen aber positiv gegenüber. Um die gewünschte Qualität zu halten ist ständige Instandhaltung nötig und dieses wird auch vom Gast honoriert. Sie kommen gerne wieder und empfehlen uns an Freunde und Bekannt weiter, was bekanntlich die beste Werbung ist. Und mit dieser regelmäßigen Kontrolle setzen wir ein Zeichen für unsere Gäste, dass wir eine Qualitätskontrolle nicht fürchten!

Denn ganz egal, ob es 2 Blumen, 3 Blumen, 4 Blumen oder gar 5 Blumen gibt – es gibt für jede Kategorie den passenden Gast!!! Liebe Grüsse vom Haarlehenhof - eure Hannelore