Frei heraus – die Gedanken einer Bäuerin

Zugegeben, sie nerven. Ihr monotones Surren hört man jetzt an allen Ecken und Enden. Vom Talanfang bis Talende sind sie im steilen Gelände im Einsatz, und der Bauer hat nicht nur ein Stück, sondern auch gleich zwei oder sogar drei von dieser Sorte – aber jeder der sie hat liebt sie und würde sie nie wieder hergeben. Die Einheimischen und die Gäste, die bereits in unserem schönen Tal Sommerurlaub gemacht haben, wissen jetzt wovon ich spreche: „Die Heublasgeräte“

Man kann es kaum glauben, aber diese Geräte sind Stoff für Diskussionen und sogar für einen Leserbrief in der Zeitung.

Als die ersten Blasgeräte im Tal Einzug gehalten haben, waren wir sehr skeptisch. „Das kann doch niemals Funktionieren, das Heu von den Hängen zu „blasen“. Vorerst beobachteten wir unsere Nachbarn neugierig, die sich diese „lauten Knechte“ alsbald zugelegt haben. Bald wurden wir eines besseren belehrt, als unsere „Erntehelferfreunde“ mit drei Blasgeräten anrückten und uns mit unseren Handrechen eindeutig in den Schatten stellten.

Während sich die Bauern immer mehr mit den Geräten anfreunden, die locker zwei bis drei Personen ersetzen, macht sich inzwischen in der Bevölkerung die Angst um unsere Insektenwelt breit. Angeblich werden mit dem Hinunterblasen des Heues auch Unmengen von Käfern und Insekten herumgewirbelt und von uns in den Insektenhimmel befördert ?!?!?

                                                        

Der Sache wollte ich auf den Grund gehen.

Leider fand ich keine wissenschaftliche Studie im Internet, die sich mit dem Verhalten der Insekten gegenüber Heublasgeräten auseinandersetzt (obwohl es fast zu allem eine Studie gibt).

So begab ich mich nach getaner Blasarbeit zurück auf die Steilwiese, wohlvorbereitet, ein Massaker vorzufinden. Erleichtert stellte ich fest, dass die Krabbeltiere den Windangriff gut überstanden haben und wieder zu ihrer ursprünglichen Tätigkeit übergingen.

Was die fliegenden Insekten angeht würde ich sagen, die haben sich schon vorher durch die Lüfte aus dem Staub gemacht um sich wenig später wieder auf dem Gras niederzulassen. Man bläst ja im flotten Tempo und bleibt nicht minutenlang auf demselben Fleck.

Wenn der Bauer mäht, wird die Wiese nicht kahlrasiert sondern das Gras auf ca. 8 cm gekürzt. So bleibt für die Insekten genug Unterschlupfmöglichkeit. Ich glaube, unsere kleinsten Lebewesen sind anpassungsfähig, so müssen sie auch mit Hagel und Starkregen fertig werden.

 

Ich sehe zwei Gründe, warum wir uns freiwillig den ca. 12 kg schweren Knecht auf den Rücken schnallen:

Zum einen sind die Arbeitskräfte am Hof rar geworden. Früher lebten mit den Bauersleuten und deren Kinder auch Knechte und Mägde am Hof, die Arbeit wurde auf viele Hände aufgeteilt. Später mussten dann die eigenen Kinder nach der Schulpflicht anstatt eines Berufes zu erlernen, zu Hause am Hof bleiben und mithelfen. Die Zeiten haben sich Gott sei Dank geändert. Jetzt erlernen auch die Bauernkinder einen Beruf und bauen sich ihre eigene Zukunft auf. So bleibt die Arbeit eben auf wenigen Personen hängen.

Zum anderen werden viele Höfe bereits im Nebenerwerb geführt. Der Bauer oder die Bäuerin oder sogar beide gehen einem Beruf nach. So ist es erforderlich, in kurzer Zeit möglichst viel Gras und Heu einzubringen und das schöne Wetter gut auszunützen. Viele unserer Bauern haben auch eine bewirtschaftete Alm wo sie parallel zu Hause am Hof oder auf der Alm gebraucht werden.

Wir haben so viele Almen, Wälder und unberührte Weiden, die nur den Rindern vorbehalten sind – wo die große Vielfalt der Insekten ihren Lebensraum finden. Keine Berufsgruppe lebt so intensiv von und mit der Natur wie wir Bauern. Jedes Jahr denke ich mir auf´s Neue, mit wie viel Liebe und Einsatz jede einzelne Bauernfamilie ihre Wiesen und Weiden pflegt, denn genau das macht unser Tal zu dem was es ist: eine Oase mit viel Lebensqualität und großem Erholungsfaktor. Dafür haben wir Respekt und Wertschätzung verdient – ganz egal ob nun der Dünger ausgebracht wird oder eben die Heublaser im Einsatz sind.

Liebe Fliegen, Mücken, Bremsen, Ameisen, Schnecken, Blattläuse, Wespen etc. nehmt euch in Acht, wenn sich Mann/Frau mit Fliegenklatsche, Ameisenköder, Gelsenstecker, Insektenspray, Schneckenkorn usw. usw. bewaffnet, denn DAS ist euer sicherer Tod.

Einen wunderschönen Sommer mit Sonne und Regen zur rechten Zeit wünscht Euch

Eure Vroni vom Palfenhof

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