„Heu ziehen“ und „Fuhr einbringen“

Die Wintermonate galten früher als die Zeit des Heuziehens. Im Sommer wurde das Futter auf der „Bergmahd“ (Bergwiese) aufgrund des schwierigen Geländes in Heustadln oder Tristen gelagert, um es dann im Winter, wenn genug Schnee war, ins Tal zu bringen. Oft gab es auch schneearme Winter und auf den Sonnenhängen musste jede Gelegenheit ausgenutzt werden, um das Futter für die Tiere sicher ins Tal zu bringen.

Genauso wie das Holzziehen früher, war auch das Heuziehen eine anstrengende und gefährliche Arbeit. Frühmorgens um 4 Uhr stärkten sich die Heuzieher mit einem „Muas“ und marschierten dann los. Ausgerüstet mit Heubretter, Stricken und Heuschlitten ging der mühsame Aufstieg los. Als Erster  stapfte der Bauer oder eine starker Knecht und spurte vor. Es war oft eisig kalt und windig und die Kleidung eher karg, Lodengewand und gestrickte Handschuhe, Bergschuhe und darüber Garmaschen. Oftmals konnten die Heuzieher ihre mitgebrachte Jause (etw. Speck, Brot und a Schnapserl) kaum zu sich nehmen, weil es zu kalt war.

Bei der ersten Dämmerung kamen die Männer an den Heutristen und Stadln an.  Nun mussten sie das gelagerte Heu auf zwei Heubrettern durch ein spezielles Bindeverfahren mit 6 Stricken zu einem „Hunt“ (Heubündel) zusammenknüpfen. Der „Hunt“ wurde dann bis zu einem schlittenbefahrbaren Ziehweg gezogen und dann auf den Heuschlitten geladen. Der Schlittentransport talabwärts war oft Schwerstarbei, da bei viel Schnee der Schlitten immer wieder eingesunken ist und keine Maschinen vorhanden waren, sondern Menschenkräfte nötig waren, um diese wieder fortzubewegen. An der Landstraße angekommen, wurde die letzte Strecke zu Hof dann mit Hilfe von Pferden überwunden.

Nach getaner Arbeit wurden die Heuzieher mit einem „Bratl“ und einem Schnapserl belohnt.

Auch am Bauernhof  wurde im Sommer das Heu auf Grund von Platzmangel in Heustadln zwischen gelagert. Somit musste auch diese Arbeit, das „Fuhr einbringen“ im Winter erledigt werden. Mittels Pferd oder später mit Seilzug wurde das „Fuhr einbringen“ wesentlich erleichtert.

Heute ist das Heuziehen bzw. Fuhr einbringen durch die Mechanisierung schon fast in Vergessenheit geraten. Nur noch wenige Bauernhöfe, wie z.B. der Gerstreitbauer in Großarl, praktizieren das „Fuhr einbringen“ aufgrund erschwerter Geländebedingungen und Steilhängen.  Heute werden natürlich auch viele technische Hilfsmittel, wie Mähtrak etc. eingesetzt. Doch das entleeren der Stadln muss nach wie vor von Hand erledigt werden.

Heute ist „Schlitten ziehen“ eine Leichtigkeit und mit Spaß und Freizeit verbunden.

In diesem Sinne: „Ein Hoch auf den Fortschritt“. Liebe Grüße vom Maurachhof.