Rucksack, Gitarre und neue Gummistiefeln…

Auf der Alm da is so lustig, auf der Alm da is so schee…

Warum ich als Stadtinger so gern auf die Alm geh

Als ich für meinen ersten Almsommer auf der Hubalm ankomme, mit einem großen Rucksack, einer Gitarre und neu gekauften Gummistiefeln, bin ich schon a bissl aufgeregt. Ich hatte in München meinen Bürojob gekündigt, um einen Sommer in den Bergen als Sennerin zu leben. Ganz ohne Erfahrung in der Landwirtschaft oder Gastronomie.

„Hast scho Respekt vor der Alm? Brauchst ned. Des werd scho passen.“ bestärkt mich Greti, die Reitbäuerin, mit einem warmherzigen Lächeln.

Und sie wird Recht haben. Die kommenden Monate lerne ich von Rupert, dem Jungbauern, wie man Käse und Butter macht, von seiner Schwester Moni wie man a gscheits Mus kocht, von Greti wie man fesche Krapfen backt, vom Vize-Hirta Sebastian das Zugan spielen und vieles mehr.

Das Melken und Viecher treiben ist allerdings immer wieder eine Herausforderung für mich. Das Anmelken der Kühe geht ganz gut, auch wenn es mich anfangs ganz schön Überwindung kostet, die Euter kräftig anzupacken. Ich hab Sorge, den Tieren weh zu tun.

Wenn ich aber zu den Goaßn in den Stall gehe, stellt sich jedes Mal die Frage, wer mehr Willensstärke zeigt: die Goaß oder ich? Bis ich knapp einen Liter Milch in den „Butschn“ melke, gehe ich durch alle emotionalen Höhen und Tiefen: mit gut zureden, genervt zurückmeckern und Schimpfereien, die weit über „bleede Goaß“ hinausgehen.

Schlussendlich wahren wir beide unser Gesicht. Die Goaß setzt ihren Sturkopf durch, indem sie sich ein paar Melkpausen nimmt, und ich bin stolz auf einen vollen Eimer selbst gemolkener Goaßmilch.

Die handgemachte Arbeit ist sowieso das was mir am Almleben so gut gefällt. In meinem Stadtdasein bin ich es gewohnt, vieles auf Knopfdruck automatisiert zu erledigen, ohne mir bewusst zu machen, wieviel Arbeit dahintersteckt, vor allem in der Lebensmittelherstellung. Hier auf der Alm genieße ich es, einen Holzofen anzuheizen, Butter mit den Händen zu klatschen, Hauben zu häkeln und statt schnellen Emails Briefe zu schreiben. Abends mit den Katzen und einer Tasse selbstgebrocktem Minzetee auf der Hausbank zu sitzen und auf den Großbär zu schauen ist für mich das Höchste.

Ich bin müde von einem Tag auf den Beinen, meine Hände haben Risse und Blasen, aber ich bin glücklich und freue mich auf viele weitere Almtage und vielleicht auch so manchen kommenden Almsommer.

 

 

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