Wenn die Mähmaschine rattert…

Dieser Tage haben es die Bauern im Großarltal sehr eilig. Überall kann man die fleißigen Menschen auf den Feldern sehen. Es wird gemäht, gewendet, getrocknet, eingefahren….. Aber warum mähen auf einen Schlag so viele und andere wiederum, scheinen es nicht so eilig zu haben?! Was veranlasst den Bauern zu sagen: “Heute wird gemäht!”? Schauen wir uns das mal genauer an.

“Ein gutes Wetter ist der beste Knecht!” – dieser vielzitierte Ausspruch gilt nicht nur für Festlichkeiten im Freien, sondern auch für die Heuernte. Da die Arbeiten am Feld “Freiluftkino” sind, müssen die Bauern die Wettervorhersagen studieren um eine möglichst lange und stabile Hochdruckphase zu erwischen – wie eben gerade dieser Tage. Tagelang werden mehrere Male am Tag verschiedenste Wetterseiten aufgerufen und studiert. Zudem werden noch lokale Besonderheiten beachtet, wie etwa die Wolkenform, die Windrichtung, etc. Alles Dinge, wo der erfahrene Bauer die Wettersituation ablesen kann.

Ein ganz wichtiges Merkmal ist die Reife des Grasbestandes. Jeder Bauer und jede Bäuerin kennt die eigenen Wiesen und Felder genau. Das Gras darauf wird nämlich unterschiedlich reif – je nachdem, welche Exposition der Hang hat, ob ein feuchter oder trockener Untergrund ist und ganz entscheidend: wie intensiv genutzt die Wiese wird. Dadurch wird der Pflanzenbestand wesentlich beeinflusst. Auf trockeneren, mageren Wiesen wachsen mehr Kräuter (umgangssprachlich Blumen), die wertvolle Vitamine und Mineralstoffe beinhalten und schneller trocknen. Auf den ebenen Fettwiesen hingegen wachsen mehr Gräser und Leguminosen (Kleeartige), die viel Energie und Eiweiß beinhalten und schwerer zu trocknen sind.

Die Bauern und Bäuerinnen kennen den Pflanzenbestand der eigenen Wiesen genau. Während der Ausbildung in der landwirtschaftlichen Fachschule, einer HBLA für Landwirtschaft oder auch während der Facharbeiterkurse wird großer Wert auf die Kenntnis der wichtigsten Grünlandpflanzen gelegt.

Die dritte Überlegung vor der Mahd ist die Verwendung des Futters. Möchte ein Bauer beispielsweise Silage bereiten, wird das Gras ein bisschen früher geschnitten, um ein gutes Nährstoff- und Energieverhältnis im Futter zu haben. Bei der Heubereitung möchte man auch einen guten Rohfasergehalt im Futter erzielen, da dieser bei den Wiederkäuern für eine gute Verdauungstätigkeit sorgt.

So: nun aber zur Praxis. Der Bauer beobachtet seine Wiesen im Wachstum und stellt fest, dass die Leitgräser (ein Obergras wie Glatthafer, Goldhafer oder Wiesenfuchsschwanz) im “Ähren-Rispenschieben” sind. So wird das Wachstumsstadium genannt, wo die Blütenansätze der Gräser schon zu sehen sind, aber sich noch nicht vollkommen aus dem Halm herausgeschoben haben. Das ist der optimale Schnittzeitpunkt! Nun also nichts wie rein in die kurze Hose und das kurze Leiberl, Sonnenschutz nicht vergessen und ab auf’s Feld!

Und nicht vergessen: unseren fleißigen Bauern und Bäuerinnen ist es zu verdanken, dass wir eine so schöne, offene und gepflegte Kulturlandschaft haben! Eure Barbara vom AUBAUER

Eine Antwort auf Wenn die Mähmaschine rattert…

  • Gruber Reinhard sagt:

    Grüß Gott ins große Arl-Tal, als begeisterter Urlauber bei Euch im Tal und emsiger Blog-Leser muß ich mich doch auch mal melden. Thema : Heubereitung oder ” Heinga”. Vergangene Woche konnten wir es bei Euch zwischen Gollegg und Stockham wieder überall erleben, mit welcher Hingabe und schweißtreibender Arbeit Eure schöne Kulturlandschaft von allen Bauern ( Landwirten) gepflegt wird. Meine / unsere Hochachtung für die schwierige (Hand-)-Arbeit in meist steilem Gelände! Und der Duft ! ! für mich als Großstädter ein wahrer Hochgenuß ( daß anschließend gleich der Odel / Gülle in erheblicher Menge ausgebracht wird ist sicher notwendig, aber in dieser Menge ? ) Ich hab mal das Buch ” halt aus, Bauer ” durchgeblättert und kann bloß sagen, machts weiter ! Die Gäste danken es Euch mit ihrem Wiederkommen. verschandelts Euer Tal nicht mit grässlichen Neubauten ( Feuerwehrhaus Hüttschlag, Bildungszentrum Großarl , usw. , usw. ) Die Milchprodukte aus eurem Heu sind weltmeisterlich ! ! , ein Münchner

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