Schnurraus

 

Wie jedes Jahr zwischen Ruperti (24.9.) und Michaeli (29.9) ist es für uns „Schnurrausdamen“ wieder so weit. Die Meldung an meine Helferinnen geht telefonisch raus: „Håst daweil? Zum Schnurraus måchn wärs wieder.“ Ist ein gemeinsamer Termin gefunden werden schon die ersten Vorkehrungen getroffen. Meist zu siebt und einem  speziellen mürben Teig wird der Weg in die Hubalm aufgenommen. Gar nicht so einfach einen Teig von 6 kg Mehl zu transportieren 😉 Auf der Alm angekommen weiß jeder Bescheid was er zu tun hat. Die alte Stube wird hier schon immer genutzt. Viele Stofftücher bedecken dann die Bank und die Tische, wobei am großen Tisch eine Plastikunterlage für das Rollen des Teiges in farbstiftdicken Schlangen herangezogen wird. Diese werden dann sorgsam auf die Tücher zum rasten aufgelegt.

 

Nach dem ersten Teilziel wird erst mal kräftig gejausnet. Und wie es da so ist darf das Schnapserl auch nicht fehlen – nicht weil es wir schon brauchen, sondern  einfach weil es der Brauch so verlangt. Bei einigen stehts bis zum Ende des Tages am gleichen Platzerl – bei anderen widerum ists gleich weg 😉 und natürlich wird heftig „tischgariert“ über Gott und die Welt. Die Geschichte von der alten Hebamme Gretl, erzählt von der Tante Thresl, darf natürlich wie jedes Jahr auch nicht fehlen. Ist die Jausenzeit rum wird wieder die Arbeit aufgenommen. Man drehe das Jausenbrett um – thada hat man die perfekte Unterlage zum speziellen schneiden der „Schnurrausschnürl“, für die gekonnte Schneidetechnik sind wir alle durch eine „ harte Schule“ gegangen!

 

In heißem Fett wird der Schnurraus goldgelb gebacken. Da kann schon mal sein, dass es bei einem Holzofen die Hütte wortwörtlich einraucht. Da wir alle aufeinander schon perfekt abgestimmt sind und die Arbeit wie im Handumdrehen läuft sind wir innerhalb einiger Stunden fertig. Die Belohnung ist dafür Kuchen und Kaffee, der erste noch warme Schnurraus, natürlich wieder a Schnapserl (wegen dem Brauch natürlich) und das Rahmkoch. Eine Spezialität aus dem Lungau, von meiner verstorbenen Schwiegermutter  Maria übernommen, ziemlich sättigend aber einen „Koster“ wert!

Bräuche sind Ausdruck der Tradition, dienen ihrer Erhaltung und Weitergabe regelmäßig wiederkehrenden Handlungen. Uns so wird der Schnuraus von Sennerin und Hirta beim Almabtrieb mit den Tieren ins Tal an alle die ein „Handerl“ voll haben wollen verteilt. Mit einem Schnapserl – weils ja der Brauch ist 😉

Ein herzliches Dankeschön an meine Schwägerinnen und Tante Thresl, die schon jahrelang beim Brauch des Schnurrausbackens mitwirken!